Wachstum im Lichte des Strukturwandels, Umsteller gesucht

Wachstum im Lichte des Strukturwandels, Umsteller gesucht

Der Bio-Markt ist nach Jahren starker Verunsicherung und Kaufzurückhaltung wieder auf dem Wachstumspfad.

Der Strukturwandel hin zum konventionellen Lebensmitteleinzelhandel und die wachsende Relevanz von Handels- bzw. Eigenmarken hält weiterhin an. Was für die Verbraucherschaft die allgemeine Verfügbarkeit erhöht und teilweise zu günstigeren Preisen führt, ist für manche Erzeuger und Verarbeiter jedoch eine echte Herausforderung.

Laut dem Whitepaper 58* der Dualen Hochschule Baden-Württemberg vom November 2025 wird für den gesamten Bio-Markt ein Wachstum von 10 % für 2025 prognostiziert. Nach 5,7 % Umsatzwachstum im Jahr 2024 wäre das ein beachtliches Umsatzwachstum, welches deutlich über der Inflationsrate von Lebensmitteln liegt. Die von der FÖL erhobenen, tatsächlich realisierten Umsätze deuten jedoch darauf hin, dass diese Prognose zu optimistisch ist.

Regionaler Naturkostfachhandel behauptet sich
Nach Erhebungen der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e. V. (FÖL) lagen die Umsätze des Naturkostfachhandels (Bio-Supermärkte, Bio-Läden, Bio-Lieferdienste, handwerklich arbeitende Bio-Betriebe und Bio-Direktvermarkter) in Berlin-Brandenburg 2025 bei ca. 706 Millionen Euro (2024: 680 Millionen Euro). Damit stiegen die Umsätze in diesen Absatzkanälen um 3,8 %.

Wichtigste Akteure im Naturkosteinzelhandel bleiben die Bio-Supermärkte mit nunmehr 141 Filialen. Marktführer in der Hauptstadtregion ist weiterhin die Bio Company (56 Filialen), gefolgt von denn’s Biomarkt (54 Filialen), Alnatura (21 Filialen) sowie der LPG (10 Filialen). Innerhalb des Naturkosthandels existiert eine relevante Aufspaltung. So gibt es Einzelfälle wie auch ganze Vertriebskanäle, die angesichts des volatilen Marktumfelds und der wachsenden Konkurrenz durch den klassischen LEH schlechter oder auch deutlich besser abschneiden. So können sich auch alteingesessene Pioniere nicht mehr auf ihren Pionierstatus verlassen.

Dies wird auch von Simon Döring, Autor des bundesweiten Umsatzbarometers für den Naturkosteinzelhandel, bestätigt. Dort hat etwa die Hälfte der Läden mit teilweise starken Rückgängen zu kämpfen, während einige Betriebe auch zweistellige Wachstumsraten erzielen können: Die Top 20 % der wirklich gut positionierten Fachgeschäfte weisen demnach ein Wachstum von über 10 % aus, die Top 5 % der Läden erreichen sogar über 15 % Zuwachs**.

Vollsortimenter, Discounter und Drogerien wachsen dynamischer
Deutlich stärker fällt das Bio-Wachstum bei den klassischen Vertriebskanälen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) aus. Damit setzt sich der schon seit Jahren anhaltende Trend fort, dass der LEH Marktanteile am gesamten Bio-Umsatz gewinnt (aktuell: 69 %) und somit zum dominanten Vertriebskanal für Bio-Produkte wird. Denn während im Naturkosteinzelhandel bereits 100 % Bio erreicht sind, hat der LEH in Sachen Bio nach wie vor viel Luft nach oben. Auch wollen nach Einschätzung der FÖL alle LEH-Strukturen ihren Bio-Anteil weiter signifikant erhöhen. So konnten die Vollsortimenter (Edeka und Rewe) 2025 ihren Bio-Absatz in der Hauptstadtregion im Schnitt nahezu um 6 % steigern.

Noch stärker dürften die Bio-Umsätze erneut bei den Discountern gewachsen sein. Selbiges trifft auf die Drogerien zu, die nach einem Umsatzsprung von nahezu 20 % im Jahr 2024 im Lebensmittelbereich bundesweit mittlerweile einen durchschnittlichen Bio-Anteil von 49,5 % aufweisen.

Vom Markenprodukt zur Eigenmarke
Entlang aller Verkaufsstätten hält auch der Trend zur Bio-Eigenmarke der Handelsketten an. So ist der Bio-Eigenmarkenanteil nach Rüschen et. al. im gesamten LEH auf 66,8 % angewachsen, die Discounter weisen innerhalb ihres Bio-Sortiments sogar einen Anteil von 95,6 % aus. Der durchschnittliche Anteil der Eigenmarken am Bio-Umsatz wuchs 2025 auch bei den Vollsortimentern in der Hauptstadtregion (Edeka und Rewe) und liegt bei diesen nunmehr bei durchschnittlich 61 %. Im Naturkostfachhandel liegt der Eigenmarkenanteil bei lediglich 12 %.

Die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Brandenburg
In Brandenburg wurden zum Jahresbeginn 2025 228.852 ha ökologisch bewirtschaftet – das entspricht einem Bio-Anteil von 17,7 %. Damit baut Brandenburg seine Spitzenposition unter den Bundesländern aus (vor Hessen mit 16,6 %) und bleibt das Flächenland mit dem höchsten Bio-Flächenanteil***. Mit 1.160 Bio-Betrieben wirtschaftet mittlerweile mehr als jeder fünfte Hof in Brandenburg ökologisch (22,1 %).

Auf Erzeugerseite führte die verzögerte Erholung der Erzeugerpreise sowie die vorherrschende negative Markteinschätzung weiterhin zu einer schwachen Umstellungsdynamik – bundesweit (+ 1,3 %) wie auch in Brandenburg (+ 1,6 %). Dabei erzielten entsprechend der Buchführungsergebnisse des Deutschen Bauernverbands die ökologisch wirtschaftenden Haupterwerbsbetriebe 2024/25 mit durchschnittlich rund 96.000 Euro über 20 Prozent mehr als der Durchschnitt aller ausgewerteten Unternehmen. Die Stimmung und Markteinschätzung unter den Landwirten scheinen offensichtlich schlechter zu sein, als die erzielten durchschnittlichen Gewinne nahelegen.

Bio-Milch und andere tierische Bio-Produkte sind knapp und gesucht
Während der Preis für konventionelle Milch in den letzten Monaten regelrecht abstürzte, ist Bio-Milch weiterhin knapp und erreichte im November 2025 mit 66,8 Cent / Liter ein Allzeithoch. Entsprechend suchen die regionalen Bio-Molkereien wie z. B. die Gläserne Molkerei in Münchehofe intensiv nach Betrieben, die in die ökologische Milchproduktion einsteigen bzw. auf Bio umstellen. Aber auch Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch sind am Markt knapp und erlösen gute Preise.

Positiver Marktausblick auch für Getreide
Beim Getreide blieb der erwartete Preisanstieg in Folge der Markterholung aufgrund einer sehr guten Ernte im Jahr 2025 aus. Zukünftig ist jedoch davon auszugehen, dass die inländische Produktion die steigende Nachfrage nicht bedienen kann. So erwarten diverse Marktteilnehmer eine zunehmende Verknappung insbesondere von Verbandsware und in der Folge eine relevante Verbesserung auch der Preise für Konsumgetreide.

Folgende Faktoren stützen diese Prognose:

  • Das kontinuierliche Wachstum – insbesondere bei den Vollsortimentern und den Discountern – geht mit einem wachsendem Rohstoffbedarf einher.
  • Das weiterhin breite Commitment des LEH zugunsten von Verbandsware verringert deren Austauschbarkeit mit EU- bzw. Importware insbesondere aus Osteuropa.
  • Am Getreidemarkt steigen bereits die Preise für Futtergetreide.
  • Die wachsende Nachfrage trifft auf eine nahezu leere Pipeline an Umstellungsbetrieben.

Hintergrund: Da die Erzeugnisse der Umstellungsbetriebe erst nach zwei Jahren als biozertifizierte Ware voll am Markt erscheinen, dürfte der Mut bzw. das antizyklische Verhalten der jüngsten Umstellungsbetriebe am Markt belohnt werden. Dies würde auch für jene Betriebe gelten, die zeitnah als erste umstellen.

Ökoaktionsplan Brandenburg kommt ins Rollen
Der 2021 verabschiedete Ökoaktionsplan Brandenburg zielt darauf ab, die Angebots- und Nachfrageseite für den Ökolandbau möglichst im Gleichschritt zu entwickeln. Mit Beginn der aktuellen EU-Förderperiode starteten im Jahr 2025 mehrere strukturell relevante Projekte bzw. Ansätze. So konnten zwei der drei geplanten Ökomodellregionen ihre Arbeit aufnehmen. Das sind:

In der gleichen Förderrichtlinie („Netzwerke, Kooperationen und regionale Wertschöpfung“) des MLEUV konnten auch die ersten Projekte zum Aufbau neuer Wertschöpfungskettenprojekte ihre Arbeit aufnehmen. Dies sind:

Diese Projekte starteten im Laufe des Jahres 2025, haben eine Laufzeit bis 2028 und organisieren in aller Regel überbetrieblich Hilfestellung zur Identifikation, Entwicklung und Verstetigung neuer Wertschöpfungsketten. Obwohl die Richtlinie offen für alle Bewirtschaftungsformen ist, wird sie mehrheitlich für ökologische Wertschöpfungsketten genutzt.

(Neue) Projekte der FÖL
Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg engagiert sich weiterhin in zahlreichen Projekten für den Aufbau von Bio-Wertschöpfungsketten in der Region, im Bereich der Verbraucherinformation und der Beratung.

ReffiSchaf: Bratwurst mit Mäährwert
Mit dem seit 2023 laufenden FÖL-Kooperationsprojekt „reffiSchaf – ressourceneffiziente Schafhaltung“ ist es gelungen, eine ökologische Wertschöpfungskette für Produkte aus Fleisch vom brandenburgischen Weideschaf aufzubauen. Für seinen innovative Umsetzung, die erfolgreich neuartige Produktrezepturen und etablierte Vermarktungswege verbindet, wurde das Projekt mit dem Innovationspreis Brandenburg 2025 und mit dem 2. Platz beim pro-agro-Marketingpreis 2025 ausgezeichnet.

Koordiniert wird reffiSchaf von der FÖL und wissenschaftlich begleitet von der Frankenförder Forschungsgesellschaft. Zentrale Verarbeitungspartner sind die Biomanufaktur Havelland und das Gut Hirschaue. Bislang konnten bereits über zwei Tonnen der preisgekrönten Bratwurst mit Mäährwert über den Naturkosthandel und die Gemeinschaftsverpflegung vermarktet werden. Auf der 100. Grünen Woche können die Besucherinnen und Besucher kosten, wie gut die Produkte vom regionalen Weideschaf schmecken.

Mit dem positiven Beiratsvotum für das neue FÖL-Projekt „Gewolltes Gemüse“, das einen an den Bedarf von Gemüsebaubetrieben angepassten nachhaltigen Dünger auf Schafwollbasis entwickeln wird, bleibt das reffiSchaf-Projektteam gemeinsam mit Praxispartnern konsequent an der „Wertschöpfungskette Schaf“ dran und fokussiert sich zukünftig auf eine bessere Inwertsetzung der Wolle.

Bio in der (öffentlichen) Gemeinschaftsverpflegung
Die Gemeinschaftsverpflegung hat in der Hauptstadtregion – insbesondere im Bereich der Berliner Schulverpflegung – schon seit längerem eine hohe Relevanz für die Bio-Branche. Ein wesentlicher Faktor hierfür ist auch die sehr erfolgreiche Arbeit der Kantine Zukunft Berlin, die mit ihrer Beratungsarbeit die Einrichtungen in die Lage versetzt, den Bio-Anteil kostenneutral deutlich zu erhöhen.

Die Gemeinschaftsverpflegung hat sich in den letzten Jahren aber auch als wichtiger Partner der FÖL in der Entwicklung und Erprobung neuer Produkte entwickelt. Denn die Gemeinschaftsverpflegung ist nicht nur in der Lage, neue Produkte einzuführen und diese durch eine gezielte, positive Präsentation (Nudging) attraktiv zu machen, sondern sie ist auch hochgradig daran interessiert, neue Produkte mit einer regionalen Geschichte auszuprobieren und ihren Tischgästen zu präsentieren.

Vor diesem Hintergrund startet aktuell das Projekt „Karottine“, in welchem drei regionale Verarbeiter (Wittys Bio-Manufaktur, Peaceful Delicious und die Marktgesellschaft der Naturland Betriebe AG) bei der Entwicklung und Markteinführung vegetarischer Produkte für die Gemeinschaftsverpflegung unterstützt und begleitet werden (BLE im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau, Laufzeit 2026-2028).

Als Regionalpartner der bundesweiten Initiative BioBitte**** organisiert die FÖL für die kommunale Ebene zudem Initialveranstaltungen, Vernetzungstreffen und Dialogforen. Mit diesen werden die Herausforderungen, Möglichkeiten und Herangehensweisen eines erfolgreichen Einsatzes von Bio in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung vermittelt bzw. ein gemeinsamer Diskussionsraum organisiert. So kommen alle wesentlichen Akteure zusammen, vernetzen sich untereinander, erörtern und vereinbaren Schritte für eine Verbesserung der öffentlichen Verpflegung.

Eine Übersicht über alle Projekte der FÖL: www.foel.de/arbeitsbereiche

FÖL-Termine auf der Grünen Woche

  • Freitag, 16.01., 14:00-18:00 Uhr: FÖL-Kochstudio, Brandenburg-Halle 21a
  • Freitag, 16.01, 15:30-18:00 Uhr: FÖL-Bühnenprogramm, Brandenburg-Halle 21a
  • Freitag, 16.01., bis Dienstag, 20.01., ganztägig: Projekt „reffiSchaf“ am BLE-Info-Counter, Halle 22a, Stand 158
  • Sonntag, 18.01., 14:45-15:15 Uhr: BioSpitzenköche und Projekt „reffiSchaf“, Halle 22a, Stand 155
  • Sonntag, 18.01., ganztägig: Projekt „Wissen was schmeckt!“ am Stand der Berliner Ernährungsstrategie, Halle 21b, Stand 200
  • Dienstag, 20.01., 11:45-12:15 Uhr: BioSpitzenköche und Projekt „reffiSchaf“, Halle 22a, Stand 155
  • Dienstag, 20.01., ganztägig: Projekt „Wissen was schmeckt!“ am BÖL-Stand, Halle 22a, Stand 158
  • Mittwoch, 21.01., ganztägig: Projekt „Wissen was schmeckt!“ am Stand der Berliner Ernährungsstrategie, Halle 21b, Stand 200
  • Freitag, 23.01., ganztägig: Projekt „Wissen was schmeckt!“ am BÖL-Stand, Halle 22a, Stand 158, und um 12:30 Uhr mit BioSpitzenköchin Nina Meyer auf der Bühne, Stand 155

Weitere Terminhinweise

  • Donnerstag, 15.01.2026, 12:00 bis 13:00 Uhr: Politische Pressekonferenz des BÖLW: Run auf Bio im Markt, Zurückhaltung auf dem Acker, Messe Berlin, Messedamm 26, 14055 Berlin
  • Samstag, 17.01.2026, 12:00 Uhr: „Wir haben es satt!“-Demo: Haltung zeigen, Brandenburger Tor, Platz des 18. März, 10117 Berlin

Aktuelle Meldungen und Termine der FÖL zur Grünen Woche finden Sie unter: www.foel.de/gruene-woche

Verweise
* Stephan Rüschen, Andrea Nitsche, Whitepaper 58 – Bio-Markt 2025 – Back on Track? https://handel-dhbw.de/schriftenreihe/whitepaper/bio-markt-2025-back-on-track

** siehe https://n-bnn.de/fileadmin/user_upload/pressemitteilungen/Ab_Oktober_2022/2025/251216_PM_BNN_Bio-Fachhandel_2025_Q1_bis_Q3_Marktentwicklung.pdf

*** Das Saarland wird als sehr kleines Bundesland, flächenmäßig vergleichbar mit der Uckermark, hier nicht berücksichtigt.

**** https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/ausser-haus-verpflegung/bildung-und-beratung/die-initiative-biobitte

Über die FÖL
Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e. V. ist die Interessenvertretung und das Netzwerk der ökologischen Ernährungswirtschaft in Berlin und Brandenburg. Sie unterstützt Akteurinnen und Akteure der Bereiche Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung bei der Weiterentwicklung ökologischer Produktion, beim Handel und beim Aufbau von Wertschöpfungsnetzwerken. Damit fördert die FÖL eine nachhaltige, zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft in der Region und darüber hinaus. Zu den FÖL-Mitgliedern zählen Landwirtschaftsbetriebe, Verarbeitungsunternehmen, Groß- und Einzelhandel, Bio-Verbände, Initiativen und Vereine sowie Verbraucherinnen und Verbraucher.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF zum Download.

Kontakt
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau
Berlin-Brandenburg (FÖL) e. V.
Michael Wimmer – Geschäftsführung
Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel.: 0179 4527147
E-Mail: m.wimmer@foel.de
Verein: www.foel.de
Bio erleben: www.bio-berlin-brandenburg.de