Trockensommer erfordern Grenzen für die Feldberegnung

Trockensommer erfordern Grenzen für die Feldberegnung

NABU verlangt Moratorium für Neugenehmigung bei Grundwassernutzung in der Landwirtschaft

Das Land Brandenburg erlebte mit den Extremsommern 2018 und 2019 ein bisher nicht gekanntes Wasserdefizit. Aufgrund des Niederschlagmangels, der deutlich höheren mittleren Durchschnittstemperaturen und der großen Windhäufigkeit wurde die klimatische Wasserbilanz extrem negativ. Die Prognosen zum weiteren Klimawandel in der Region durch das PIK Potsdam lassen erwarten, dass sich die klimatische Wasserbilanz noch weiter verschlechtern wird. Angesichts dieser Situation und der zunehmenden Beantragung von Feldberegnungen macht sich der NABU große Sorgen um das Grundwasser in Brandenburg.

In einem Brief an Agrar- und Umweltminister Axel Vogel fordert der NABU Brandenburg, vorerst keine weiteren Genehmigungen für die Grundwasserentnahme in der Landwirtschaft zu erteilen. Die Grundwasserstände sinken seit Jahrzehnten signifikant. In den Bächen und Flüssen werden an immer mehr Tagen im Jahr die mittleren jahreszeitlichen Abflüsse im Sommer erheblich unterschritten und damit deren ökologisch notwendige Mindestabflüsse gefährdet.

„Dennoch werden offensichtlich weitere, erhebliche Grundwasserentnahmen beantragt. Besonders fragwürdig sind solche Anträge für nicht beregnungswürdige Monokulturen für Biogasanlagen. Zudem werden die kumulativen Effekte bei der Genehmigung der Grundwasserentnahme mit bereits bestehenden oder geplanten Entnahmen oftmals gar nicht untersucht“, beklagt Friedhelm Schmitz-Jersch, Landesvorsitzender des NABU Brandenburg in dem Brief an Minister Vogel.

In einem konkreten Fall hat der NABU Brandenburg Widerspruch gegen die Erlaubnis für eine Entnahme von 600.000 m³ Grundwasser, jeweils innerhalb von fünf Monaten eines Jahres. Diese Menge von 4.000 m³ pro Tag nur für ein Beregnungsvorhaben entspricht dem Trinkwasserbedarf von ca. 40.000 Einwohnern. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Wasserversorgung des Ansiedlungsvorhabens des Unternehmens Tesla in Grünheide ist die Dimension nur dieses einzelnen Beregnungsvorhabens dem NABU besonders deutlich geworden.

„Da weitere Entnahmen aus Grundwasserkörpern mit bereits langjährig signifikant sinkenden Grundwasserständen zu gravierenden Grundwasserveränderungen führen, ist es notwendig, neue oder zusätzliche Grundwasserentnahmen bis auf Weiteres zu versagen. Gesondert betrachtet werden sollten nur die öffentliche Trinkwasserversorgung und die Bewässerung von Gemüsekulturen“, so Schmitz-Jersch.

In dem Brief an Minister Vogel fordert der NABU die Zeit des Moratoriums zu nutzen, um eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Genehmigungen vorzunehmen, Vorgaben für die gutachterliche Herangehensweise und Kriterien für die Genehmigungspraxis unter veränderten klimatischen Bedingungen zu entwickeln. Entnahmen für die Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung und die Bewässerung von Gemüsekulturen sind nach Ansicht des NABU gesondert zu bewerten.

Kontakt
NABU Brandenburg
Friedhelm Schmitz-Jersch – Landesvorsitzender
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