Nachwuchs für den Hof: Duales Studium verbindet Acker, Betrieb und Hörsaal

Nachwuchs für den Hof: Duales Studium verbindet Acker, Betrieb und Hörsaal

Der duale Studiengang „Ökolandbau & Vermarktung“ an der HNEE verbindet die Ausbildung zum Landwirt/zur Landwirtin mit einem Bachelorstudium.

Viele landwirtschaftliche Betriebe suchen händeringend Nachwuchskräfte, die gut qualifiziert sind, engagiert Verantwortung übernehmen – oder perspektivisch vielleicht sogar eine Nachfolge antreten können. Wer heute einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, muss betriebswirtschaftliche Entscheidungen treffen, auf Klimaveränderungen reagieren, Vermarktung mitdenken und Mitarbeitende führen. Zunehmend ist auch die Fähigkeit gefragt, wissenschaftliche Erkenntnisse für den eigenen Betrieb einzuordnen und praktisch umzusetzen. Der duale Studiengang „Ökolandbau & Vermarktung“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) verbindet die Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt mit einem Bachelorstudium – und bringt Praxis, Fachwissen und betriebliches Denken zusammen.

Das duale Studium ist in Brandenburg mehr als ein Nischenmodell. Immer mehr Betriebe interessieren sich dafür, junge Menschen gemeinsam mit der HNEE auszubilden. Für viele Studierende liegt der Reiz darin, früh im Betrieb mitzuarbeiten, Landwirtschaft praktisch zu erleben und zugleich einen akademischen Abschluss zu erwerben.

Anja Feierabend ist Studienfachberaterin an der HNEE für den Studiengang und selbst Bäuerin. Sie bringt viele Jahre Erfahrung im Aufbau und in der Führung einer landwirtschaftlichen Unternehmung mit – eine Erfahrung, die sie in die Beratung von Betrieben und Studierenden einbringt. Sie sagt: „Unsere dual Studierenden verbinden praktische Erfahrung und wissenschaftliches Denken miteinander. Sie sind durch diese Verzahnung schon während ihrer Ausbildung eine große Unterstützung auf den Höfen.“

Viele Studierende schätzen es, Landwirtschaft unmittelbar im Betriebsalltag zu erlernen und gleichzeitig in den Vorlesungen Wissen zu erwerben, Zusammenhänge besser zu verstehen und Entscheidungen einordnen zu können. „Für mich war entscheidend, dass ich nicht zwischen Ausbildung und Studium wählen musste“, sagt die Studierende Käte Kalhorn. „Man lernt die Abläufe auf dem Betrieb von Grund auf kennen und versteht gleichzeitig die fachlichen Hintergründe. Diese Verbindung macht das Studium für mich besonders wertvoll.“

Für die Betriebe bedeutet das Modell mehr als die Ausbildung einer Fachkraft. Sie begleiten junge Menschen über mehrere Jahre, geben Wissen und Erfahrungen weiter. Gleichzeitig erhalten sie neue Impulse für ihren Betrieb. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren besonders davon, wenn motivierte Nachwuchskräfte früh Verantwortung übernehmen und betriebliche Zusammenhänge ganzheitlich verstehen lernen.
„Wir erleben, dass die Auszubildenden schon früh Verantwortung übernehmen und gleichzeitig neue Impulse aus dem Studium in die Praxis einbringen. Das ist für beide Seiten ein Gewinn“, berichtet Lucas Lütke Schwienhorst, Betriebsleiter des Gut Ogrosen im Spreewald, einem Partnerbetrieb der Hochschule.

Die HNEE, Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen und die zuständige Stelle für die Ausbildung arbeiten eng zusammen, um den Erfolg sicherzustellen. Die Studienfachberaterin begleitet die Studierenden während des gesamten Weges, unterstützt bei organisatorischen Fragen und steht auch den Betrieben als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Regelmäßige Gespräche und der Austausch mit den Praxispartnern sorgen dafür, dass die Inhalte des Studiums nah an den Anforderungen der landwirtschaftlichen Praxis bleiben.

Das Studienmodell wird kontinuierlich weiterentwickelt. Rückmeldungen von Studierenden, Betrieben und Lehrenden fließen in die Gestaltung des Angebots ein. Ziel ist es, den Bildungsweg so auszugestalten, dass er den Bedürfnissen der Betriebe ebenso gerecht wird wie den Erwartungen der Studierenden. Damit bleibt das Modell nah an der betrieblichen Wirklichkeit und trägt dazu bei, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die landwirtschaftliche Praxis zu bringen.

Dr. Gernod Bilke, Referatsleiter Abteilung Landwirtschaft, Referat Berufliche Bildung im Brandenburgischen Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF), erlebt die Kompetenz der dual Studierenden in der Abschlussprüfung der Ausbildung: „Fachwissen kann man lernen. Die Grundlage für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben bilden Motivation, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Genau diese Eigenschaften erleben wir bei vielen dual Studierenden.“

Aktuell läuft die Bewerbungsphase für den nächsten Ausbildungsjahrgang. Interessierte können sich um einen Ausbildungsplatz bewerben und sich an der Eberswalder Hochschule vormerken lassen. Am OSZ Pritzwalk in der Prignitz gibt es die Möglichkeit, eine spezielle Dual-Klasse für die verkürzte Ausbildung (2 Jahre) zu besuchen. Nach dem ersten Ausbildungsjahr folgt der Einstieg in das Bachelorstudium „Ökolandbau und Vermarktung“ an der HNEE. Nach drei Semestern wechseln sich Studium und Ausbildung halbjährlich ab.

Die Nachfrage zeigt: Die Verbindung von Ausbildung und Studium trifft den Bedarf der Branche. Oder wie Anja Feierabend zusammenfasst: „Wir brauchen junge Menschen, die nicht nur wissen, wie Landwirtschaft funktioniert, sondern die Lust haben, sie weiterzuentwickeln.“

Kontakt
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Anja Feierabend
03334 657453
anja.feierabend@hnee.de
www.hnee.de/dual